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Meine Bewerbung #Jobsuche

Last updated on 26. August 2020

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit beigefügten Dokumenten bewerbe ich mich auf diese Stelle.

Freundliche Grüße

Sarah Blume
(transgender female)
(Ergänzungsausweis dgti e.V. liegt vor)

An der Ronne 34
50859 Köln
fon: +4915755208387
<mailto:sarah.jessica.blume@mewes.tv>


Bleiben wir mal ein wenig formal bei der Sache. Derzeit bin ich in Kurzarbeit „0“. Mein derzeitiger Arbeitgeber kann da nichts für. Ich bin bisher gut mit ihm gefahren, das ist es nicht. Es ist halt wegen #Corona. Ich arbeite in einer Arbeitnehmerüberlassung und da ist es zur Zeit nicht ganz so rosig. Denn wenn ein Unternehmen, welches bisher auf Leiharbeit und Werksverträge gesetzt hat nun für seine eigenen Festangestellten Kurzarbeitgergeld beantragen will, dann muss es sich von allen „Externen“ leider trennen. Und ich bin eine solche „Externe“.

Jedoch ist das Urlaubsfeeling seit einiger Zeit dezent vorbei. Kurzarbeitergeld ist eine feine Sache, aber so langsam schleicht sich, bei aller ehrenamtlichen Tätigkeit für die ich jetzt Zeit habe, eine gewisse Unruhe ein. Gerne möchte ich einfach wieder auf meine 100% Lohn und Gehalt kommen. Hatte ich bisher die Möglichkeit in Zeiten von Arbeitslosigkeit die Lücken mit #Sexarbeit zu stopfen, so geht das zur Zeit nicht. Schließlich leben wir, dank Corona, in einer mittlerweile unerträglichen Prohibition der #Sexarbeit. Dabei habe ich noch Glück, denn ich habe eine Mutter, die mir die nötigsten Dinge bezahlt, denn trotz Kurzarbeitergeld laufen die bestehenden Verträge samt den Kosten ja einfach weiter. Andere Kolleg*innen leben am Rande des Existenzminimums und sogar noch darunter. Und glauben Sie mir, durch meine ehrenamtliche Tätigkeit für den Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. kenne ich nicht nur die sog. „priviligierten“ Sexarbeiter*innen, sondern bekomme als Kommissionsmitglied im Nothilfefond des BesD e.V. hautnah mit, wie es sein kann durch diverse „Raster“ zu fallen.

Ich gehe offen mit mir und meinen Dingen um.

Mit diesem Blogbeitrag, der hoffentlich 1000fach geteilt wird 😉 und den ich auch auf LinkedIn einstellen werde, möchte ich Unternehmen ermutigen Menschen nicht nur vor den Kopf zu schauen. Ja, ich gehe der #Sexarbeit nach. Ja, ich bin transgender female. Ja, ich bin Mitglied einer Gewerkschaft. Aber bedeutet das alles, dass ich nun unqualifizierter bin, als der Mensch, der sich noch vor einigen Monaten als Mann bei Ihnen beworben hat?


Neben dem Link zu meinem LinkedIn-Profil, wo mein Lebenslauf und meine bisherigen beruflichen Stätten einzusehen habe ich durchaus noch andere Interessen, die eventuell von Bedeutung sein können.

Ich könnte mir vorstellen für einen Arbeitgeber tätig zu sein, der offen für sexuelle Gesundheit eintritt und damit auch Pro Sexarbeit ist.
Warum nicht auch das Konstrukt wagen, dass einige Arbeitgeber sich mein Gehalt „teilen“. Es sollte doch möglich sein, dass ich vielleicht 30:30:40 sein kann, bei freier Verteilung von 35 Stunden in der Woche und alle legen zusammen? Ich bin gerne dafür neue Strategien auszuprobieren und bin gerne auch bei der Gestaltung der Arbeitsverträge behilflich.

Ich bin 10 Jahre lang im Arbeits- und Sozialrecht als Referent für Betriebsratsgremien unterwegs gewesen. Viele wissen nicht, dass im Studium der Personalwissenschaft das Thema „Mitbestimmung im Betrieb“ nur ein Randbereich ist und ein engagiertes Betriebsratsmitglied meistens besser um seine Rechte weiß, als so manche Personalabteilung. So könnte ich durchaus in einem Unternehmen in der HR arbeiten.

Aber vielleicht suchen Sie auch einen Menschen, der sich in sozialen Medien auskennt und eben als Mensch arbeitet und nicht als reiner Werbeträger?

Eventuell möchten Sie auch eine Beratung in Sachen #Jobsuche und warum es manchmal unmöglich ist, sich zu bewerben, weil manche Prozesse in den Unternehmen viel zu knochig daher kommen?


Das alles sehe ich übrigens nicht als Ausstieg aus der Sexarbeit an, aber Lohn und Gehalt sollten nicht wie bei Friseuren (Mindestlohn und Tringeld!) so minimal ausstaffiert (prekär) sein, dass ich der Sexarbeit nachgehen _muss_ um überhaupt Brot und Wasser daheim zu haben. Nein, es muss schon ein Auskommen mit dem Einkommen geben.

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