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Trans* und das Passing

Wenn ich so an meine nahe Zukunft denke, dann denke ich auch an mein ganz persönliches „Passing“. Und ich habe sehr viel gelesen dazu.

HuffPost teilt mit: Passing refers to a transgender person’s ability to be correctly perceived as the gender they identify as and beyond that, to not be perceived as transgender.

Wikipedia deutet: Passing [ˈpɑːsɪŋ] (von englisch to pass for/as‚ als jmd. durchgehen/bestehen/gelten) bezeichnet – ausgehend von den USA – hinsichtlich der Geschlechtsidentität die Fähigkeit einer Person, als Mitglied desjenigen Geschlechts akzeptiert oder eingeschätzt zu werden, mit dem sie sich identifiziert, bzw. das sie nach außen hin zeigt.[1] Üblicherweise umfasst Passing eine Kombination aus körperlichen Geschlechtsmerkmalen (z. B. Frisur oder Kleidung) oder körperlicher Erscheinung (z. B. der Hautfarbe) und bestimmten Verhaltensweisen, die kulturell mit einem bestimmten Geschlecht oder einer bestimmten Bevölkerungsgruppe verbunden werden. Viele erfahrene Crossdresser versichern, dass für das Passing unabhängig vom Erscheinungsbild das Selbstvertrauen bei weitem wichtiger sei als äußere Merkmale.

Und es gibt noch so einige mehr oder weniger schlaue Webseiten, in welche ich ein Foto von mir einstellen könnte und „Experten“ würden mich dann beurteilen.


Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das Passing für viele trans* Menschen eine Art Problem darstellt. Denn wir werden durchaus beurteilt. Und das mehr oder weniger offen. Wir wollen zB Frau sein, also sollen wir auch so aussehen, aber eigentlich steckt dahinter, dass wir uns auch so verhalten sollen. Und zwar in der Art, wie man sich Frauen wünscht und weniger, wie wir selbst sein wollen. Nur, wer wünscht sich nur, wie Frauen (in meinem Fall) zu sein haben? Sind das Männer? Auch, aber nicht nur. Gerade Frauen scheinen ihresgleichen meiner Meinung nach mehr zu beäugen. Die „Gesellschaft“ will, dass wir bestimmte Kleidung tragen, eine gewisse Eleganz besitzen, wenig bis keine eigene Meinung vertreten und ziemlich submissiv im Bett sind.

Da reite ich zur Einleitung gerne auf den üblichen Vorurteilen rum 😉

Auf dem letzen Sexwork-Stammtisch war eine TS anwesend und sie beantwortete die Frage, woher „wir“ unsere Vorlage des Frauseins nehmen ziemlich gut: Wir beobachten die Frauen. Was und wie machen die was? In Familie, Beruf, Freundeskreis. Wir entdecken auch im Internet so manche TS, wo wir sagen: „Ja, so will ich sein!“. Und im besten Falle bleiben wir realistisch genug unsere Ansprüche an uns selbst downzugraden.

Wikipedia bringt es in seinem letzten Satz in der Einleitung auch gut auf den Punkt. Es geht am Ende immer darum, dass das eigene Selbstbewusstsein den entscheidenen Anteil des Passing ausmacht. Ich habe das selbst in meiner #Jobsuche bemerkt, als ich zwei Männern im Bewerbungsgespräch gegenüber saß, die sich nicht wirklich sicher waren, ob meine Augen in meinen Ausschnitt oder in meinem Gesicht waren. Ich empfand das nicht mal als übergriffig, sondern genoss den Umstand. Meinen Körper kann ich vielleicht um das eine Gramm mehr oder weniger auslaugen, aber am Knochenbau würde sich selbst in einer finalen Operation nichts ändern. Ich habe keinen zierlichen Körperbau, also wird mein Passing eher, entschuldigung, der „Russischen Athletin“ nahe kommen. Andere TS mit zierlichem Körperbau haben es da „äußerlich“ einfacher. Und das ist Teil meines Passing, welches ich einfach akzeptieren muss.


Und ja mein Verhalten in der Öffentlichkeit ist anders geworden. Zurückhaltender, aber durchaus nachdrücklicher, wenn es drauf ankommt. Ich mache Platz, weiche aus, statt mir den Weg zu bahnen. Es kommt mir natürlicher vor, als bisher in meinem Leben. Ich versuche meine Beine im Sitzen mehr zusammen zu halten oder in Gesprächen übereinander zu schlagen. Ich sitze auch aufrechter in Videokonferenzen und lasse mich nicht mehr so hängen. Okay, gelingt mir alles nicht immer, wie ich glaube. So als Beispiele.


Die Frage ist, warum ich das so mache. Muss ich mich wirklich so geben? Wer verpflichtet mich dazu? Beuge ich mich etwa dem, was die „Gesellschaft“ glaubt, wie eine Frau zu sein hat? Oder bin das wirklich ich? Ist meine Feminität noch durch den Feminismus abgedeckt oder führe ich jenen ad absurdum?


Ich weiß, dass ich eine füllige Frau bin und bleiben werde. Ich habe eine Plautze und halte mein Gewicht bei 113kg. Von hinten sehe ich ziemlich gut aus und solange meine BH-Einlagen den Bauch kleiner wirken lassen (95 F-G) fühle ich mich ausgesprochen gut und sicher. Und sobald ich herausgefunden habe, wie ich das Ding zwischen meinen Beinen „verschwinden“ lassen kann, dann werde ich für mich perfekt sein. Und ich denke, dass es durchaus feminin und feministisch sein wird, wenn ich mich so akzeptiere, wie ich dann bin. Anders wird die Welt mich eben nicht bekommen.

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