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Sexarbeit #ProjektDings

Ich bin Sexarbeiterin.

Manche würden sagen, dass ich eine Nutte, eine Hure, eine Prostituierte, eine Hetäre oder gar Tempeldienerin sei.

… und irgendwie ist jeder Begriff davon richtig. Je nach Kontext.


Das Sexarbeit mir den ein oder anderen zu versteuernden Euro in meinen Geldbeutel schiebt ist das schwächere Argument. Auch wenn es mich natürlich ziemlich stolz macht, dass Menschen bereit sind mir Geld zu geben, auf dass ich mit Ihnen meine Zeit teile. Andere würden dagegen behaupten, dass es dabei nicht um mich gehe. Ich wäre halt „nur“ verfügbar und gerade „in Reichweite“. Leider ist das auch richtig, aber meistens auch falsch.

Sexarbeit gibt mir die Möglichkeit mit Menschen zu arbeiten, deren einzelne Bedürfnisse, gerade im Bereich BDSM, weit über das bevorurteilte Rein-Raus-Fertig hinaus gehen. So habe ich durchaus Sex mit Menschen, die Rein-Raus-Fertig wollen und auch dies kann ich sehr genießen, aber die meisten wollen etwas anderes. Sie wollen, dass sich jemand Zeit für sie nimmt. Sie wollen mit mir reden. Sie vertrauen mir (intimste) Gedanken an. Sie wollen gesehen und gehört werden. Sie wollen mit ihren Leidenschaften wahrgenommen werden. Und diese gehen eben auch über das Rein-Raus-Fertig hinaus.

Denn leider werden viele Kinks und Fetische in unserer Gesellschaft immer noch nicht als „ok“ angesehen. Es gibt immer noch zu viele Menschen, die nur weil sie es schräg finden Sex mit einem Gummistiefel zu haben, meinen, dass dies dann auch die Meinung der Gesellschaft sein muss. Richtig wäre es, in meinen Augen, zu denken, dass Sex mit einem Gummistiefel zwar schräg sei, aber wenn es Dich glücklich macht, dann ist es auch okay. Manche Menschen glauben einfach, dass wenn Sex mit einem Gummistiefel sich „normalisiere“, dann würden „diese Menschen“ uns alle überschwemmen und irgendwann wäre es nicht mehr „normal“ Sex ohne Gummistiefel zu haben. Natürlich bringt eine Normalisierung von Sex mit Gummistiefeln auch die Wahrscheinlichkeit mit, dass sich mehr Menschen dahingehend outen, dass sie auch Sex mit Gummistiefeln haben. Aber dies dann gleich als Angriff auf das „normalisierte“ Sexualleben anzudeuten, finde ich ziemlich schräg.

Menschen wollen einfach offen über ihre Dinge reden können, wie in vielen Magazinen über die „cishet“-Sexualität gesprochen wird. Sie wollen einfach nur ein Recht, was andere haben, eben auch haben. Sie wollen niemandem etwas weg nehmen. Sondern nur für sich dazu gewinnen.

So betreibe ich sehr gerne Rollenspiele und lasse mich dabei auf die Phantasie des Kunden ein. Wenn gewünscht dann bin ich eine Sklavin, eine Magd, eine Dienerin, es gibt viele Namen für submissive Fachkräfte und alle sind valide im richtigen Kontext. Nur eine Jüdin zB würde ich nicht geben. Rollenspiele, die die NS-Zeit auch nur ansatzweise zum Thema haben, gibt es bei mir nicht. Und in den letzten 10 Jahren gab es dazu auch nur eine einzige Anfrage.

Sexarbeit gibt mir die Möglichkeit mich mit mir zu beschäftigen. Meine eigene Sexualität stets zu hinterfragen, mich insgesamt als Mensch nach vorne zu bringen.

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