Zum Inhalt springen

Engagement #ProjektDings

Ich bin IT-Systemadministratorin und betreue im 3rd-Level mit mehr oder weniger direktem Kundenkontakt alle möglichen Dinge, welche sich mit Windows-Systemadministration beschäftigen. Derzeit sitze ich über Arbeitnehmerüberlassung in einem städtischen Unternehmen in der Softwareverteilung und schnüre Installationspakete von fast 2500 Anwendungen für über 8000 Beschäftigte. Ja, ich bin recht erprobt in Microsoft SCCM und Exchange und würde diese beiden Produkte als meine Spielwiese bezeichnen. Mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung generell habe ich so ziemlich alles, wo Microsoft davor steht, administrativ in der Hand gehabt. Ausnahmen bilden Programmiersprachen und Datenbanken, weil dies völlig eigenständige Berufe sind.

Meine Person gehört als Autodidaktin vielleicht nicht zu einer beinahe ausgestorbenen Spezies, aber heutzutage bekommt eins nicht mehr so einfach Jobs in der IT, nur weil mensch sagt, dass eins das kann, was eins vorgibt zu können. So habe ich keinerlei Studium der Informatik abgeschlossen und wirklich ernsthaft Fortbildung betrieben. Wo andere „Scheine“ bekommen haben, habe ich diese Produkte schon lange aktiv administriert und bisher hat meine Berufserfahrung noch immer fehlende Zeugnisse wett gemacht.

Ich mag diese Welt der Einsen und Nullen. Sie ist klar strukturiert und wenn eins alles richtig macht, dann funktioniert es auch. Ich bin nicht darauf angewiesen in ein Büro zu gehen und kann mich im heimischen Homeoffice perfekt auf meine Arbeit konzentrieren. Rauchen am Arbeitsplatz ist erlaubt, nur den Kaffee muss ich selbst zahlen.


Ich bin Sexarbeiterin und habe über die Straße meinen Weg in Hotelzimmer und BDSM-Studios gefunden und bin immer noch auf diesen Ebenen der Sexarbeit aktiv. Ich bin „die schnelle Nummer“ zwischendurch, die „Geliebte auf Zeit“ und erfülle grundsätzlich Bedürfnisse dominanter, nicht unbedingt sadistischer Menschen im BDSM. Diese Arbeit ist Arbeit und sie muss erledigt werden.

Viel zu sehr leben Menschen mit Stigmata, weil die Gesellschaft BDSM immer noch als krank und Bisexualität als schwierig brandmarkt. Manche Firmen schwenken mit LGBTQI+-Fahnen um sich her, nur in der inneren Fleischbeschau kümmert sich niemand wirklich um „uns“. Nun könnte ich sagen, dass ich das ausnutze und genau in diese Marktlücke springe. Ich biete meine Services dort an, wo „sittsame Menschen“ furchtsam weichen. Und Menschen, die so denken, schieben mich damit auch in die stigmatisierte Ecke. Als Frau. Als trans Frau. Als Sexarbeiterin. Ich bin dann grundsätzlich ein schlechter Mensch. Alleine mein Outing als trans Frau hat bewirkt, dass alle meine Zeugnisse, die ich männlich konnotiert ausgestellt bekommen habe, auf einmal weniger bis nichts mehr wert sind. Angebotene Gehälter wurden geringer.


Mein Outing als trans Frau und Sexarbeiterin findet nicht nur in einer Blase statt, in welcher ich Herzchen zugeworfen bekomme. Dieser Beitrag ist auch in meinem LinkedIn-Profil verlinkt. Er wird dort von Menschen gelesen, die mich beruflich kennen. Er kann dort von (ehemaligen) Kolleg:innen gelesen werden. Ich verfolge das nicht genauer. Es steht halt einfach nur da. Es ist schön, wenn ehemalige Kolleg:innen meine Beiträge aktiv liken. Aber es sind wenige. Und nein, es sind keine Kund:innen von mir. So habe ich über LinkedIn zwar Anfragen erhalten und mich durchaus zu StellDichEins getroffen, aber ich bin primär nicht auf LinkedIn um für meine Sexarbeit Werbung zu machen. Ich möchte auf mich als Person aufmerksam machen und präsentiere mich als Gesamteinheit. Ich möchte darlegen, dass ich verlässlich auf vielen Ebenen bin. Denn auch Sexarbeit, in meinen Augen, muss eine verlässliche Dienstleistung sein. Ganz exakt so, wie ich Nullen und Einsen vor mir herschiebe. Das Sexarbeit ein Teil von mir und untrennbar mit mir verbunden ist.


Twitter/Facebook sind meine Bastion. Ich bin aktiv im BesD e.V. (https://www.berufsverband-sexarbeit.de/) und bewerbe mich gerade aktiv um einen Sitz im Vorstand. Jeder kann diesen Blog lesen. Auch von außerhalb der Blase. Mein oben benanntes städtisches Institut weiß von meiner Kandidatur. Da halte ich nichts zurück. Jedoch gehe ich damit nicht lauthals durch die Türe. Wer mich aber fragt, bekommt auch Antwort. Warum sollte ich mich selbst verleugnen? Ich stigmatisiere mich nicht selbst. Wenn ich das machen würde, dann würde ich doch allen anderen Recht geben, dass Sexarbeit etwas Schlimmes ist.


Mein Engagement ist dezent.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: