Zum Inhalt springen

Das unweiblich Weibliche

Lange habe ich darüber nachgedacht, aber ich glaube, dass es wichtig ist sich mal mit ein paar Struggles persönlicher Natur zu reflektieren.


Dysphorie ist eine Affektstörung, die eigenständig oder als Begleitsymptom auftreten kann. Die Betroffenen sind unzufrieden, missmutig, schlecht gelaunt, gereizt, mürrisch oder verärgert und strahlen diese Stimmung nach außen ab.

Das Gegenteil der Dysphorie ist die Euphorie.


Wenn ich morgens in den Spiegel schaue, dann schnippe ich nicht einfach mit dem Finger und finde mich geil. Manchmal trifft mich dieses Gefühl auch mitten am Tag. Seitdem ich mich zu meinen Gefühlen bekannt habe und ich ein Leben als trans Frau führe, welches mich voll erfüllt und glücklich macht, so blicke ich immer wieder in das Gesicht meiner alten männlichen Konnotation. Was Wunder, denn ich habe mich mehrheitlich so gesehen und mir wurde reflektiert, dass ich so sei. Nur steht mein Gefühl in mir eigentlich immer diesem Spiegelbild entgegen. Und sobald ich mich vom Spiegel abwende, wird es besser. Nur habe ich mir in der Zwischenzeit die Haare und Gesicht gemacht. Weil eben das Gesicht der Hauptaufhänger für mich ist. Der restliche Körper ist eher Wumpe. Um als Frau lesbar zu sein, muss ich morgens so manche Hürde nehmen. Manchmal möchte ich mir eine Klinge nehmen um die Haut unter den Bartstoppeln bis unter die Follikel einfach abzuziehen. Nur damit diese dumme Nassrasur nicht mehr sein muss.

Aber schließlich ist die Veränderung meines Gesichtes ganz oben auf der Liste. Wenn dieser Beitrag veröffentlicht wird, sitze ich bei einer Friseurin, die eine Wartung meiner Extensions vornimmt. Mir sind in vier Wochen dann doch einige Strähnen rausgefallen, die ich brav gesammelt habe. Zusätzlich habe ich 100 braune Echthaarsträhnen, die wohl auch ihren Weg auf meinen Kopf finden und am Ende wird alles durchgefärbt. Eventuell kriege ich auch meine Augenbrauen gestutzt. Auch warte ich auf eine neue Brille, welche ein wenig von meinen Geheimratsecken ablenken soll. Ich mag mich nicht beschweren oder bemitleidet werden. Mir ist der Weg bewusst, den ich gehen werde und ich leide nicht wirklich unter meiner abundanten unweiblichen Weiblichkeit. Ich ärgere mich nur, dass ich nicht einfach mit dem Finger schnippsen kann und es wäre alles erledigt.

Und dann ist es auch schon wieder da, dieses Gefühl der Weiblichkeit, wenn ich von anderen, wie selbstverständlich, als Frau gelesen werde. Und wie ich es genieße mir Maniküre und Pediküre zu gönnen und vielleicht schon bald feste Termine in einem Beautysalon um die Ecke wahrnehmen kann. Für Wimpern, Brauen, Waxing. Aber mit dauerhafter Haarentfernung fange ich erst nach Beginn der Hormontherapie an. So viel steht fest. Somit ist 2021 das Jahr der mir eigenständig möglichen äußeren Transition und in 2022 sehe ich weiter.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: