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Herbst #ProjektDings

Last updated on 29. September 2021

Eines steht fest: Ich bin kein Sommermensch. Zu hell, zu warm, war schon immer so. Ich muss auch nicht in der Sonne braten, um meine Seele aufzuwärmen. Wenn ich mir eine Jahreszeit aussuchen darf, dann den Winter. Nicht so hell, nicht so warm, vor allem weniger Licht auf meiner Haut. Weniger einschmieren und so ein Zeug. Noble Blässe kommt von alleine. Vielleicht ist da doch das kleine Goth-Mädchen in mir, dass aber nicht raus will, weil dieses „draußen“ eben.


Tatsächlich habe ich keinen feinsinnigen Bezug zu Jahreszeiten und damit auch zum Herbst. Früher bin ich gerne mit vollem Anlauf in die Blätterberge gelaufen und habe alles neu verteilt. Mit der Konsequenz, dass ich das nicht darf und alles wieder fein zusammen klauben durfte. Tatsächlich bin ich nicht mehr Kind. Für mich ist alles irgendwie ernst geworden, zumindest ernsthafter als früher. Einen Anflug von Albernheit erlebt mein Sohn, wenn ich mit dem Auto Pfützen jage, durch die ich früher durchgelaufen bin. Ich weiß am Ende nur, dass der Winter mein Ding ist. Ich schwitze nicht so viel. Morgens im Dunklen zur Arbeit und Abends im Dunklen wieder heim.


Wenn ich am Klavier sitze, dann passen meine Melodien, welche ungefiltert durch die Finger auf die Tasten gehen, besser zu einer dunklen Jahreszeit. Zudem fällt es mir leichter „durch die Nacht“ Auto zu fahren, als über den Tag. Dabei bin ich nicht wirklich eine Nachteule. Und doch ist im Dunklen gut (Sexarbeit-)Munkeln. Mein Therapeut gibt mir immer wieder zu verstehen, dass viele Menschen gerade in dunklen Jahreszeiten zu Depressionen neigen, aber eine so stabile Person wie mich hat er selten auf der Couch.


Vielleicht bin ich aber auch im Herbst meines Lebens angekommen? Sicherlich habe ich mehr Tage hinter als vor mir. Und was mich glücklich stimmt ist, dass es von Körpergefühl her, bessere Jahre als vorher werden. Mütter, nehmt eure Söhne von der Straße. Wenn ich 53 bin, dann habe ich immer noch 13 Jahre bis mit 66, frei nach Udo Jürgens Bockelmann, das Leben anfängt. Wobei mir einfällt, dass ich noch nie in einem herbstlichen Blätterberg Sex hatte.

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