„Heimat“ ist nicht nur ein Ort. „Heimat“ kann auch ein Gefühl sein. Doch … ist ein Gefühl am Ende nicht nur ein „Zuhause“?

Dabei frage ich mich immer wieder, ob diese Unterscheidung überhaupt notwendig ist.

Ist es nicht vielleicht wichtiger, dass mensch gerne dort ist, wo eins sich wohlfühlt?


Heimat verbinde ich mit dem Ort, wo ich geboren und aufgewachsen bin: Köln. Zuhause war ich jedoch schon in Hamburg, Lünen, Dublin (Irland), Sofia (Bulgarien), Wesseling, Andernach. Und am Ende dieser Reise lebe ich nun wieder in Köln.

Heimat ist für mich ein vertrauter Ort. Da kann ich immer hin und kenne mich sofort aus. Mein originäres Lebensgefühl wurde hier geprägt und hat mich überall hin begleitet. Habe ich irgendwann in Köln den kommerziellen Karneval hinter mir gelassen (fürchterlich!), so habe ich mir den Rosenmontagszug, egal wo ich war, immer im Fernsehen angeschaut. Jetzt, wo ich wieder in Köln lebe, kann der Karneval mir getrost wieder fernbleiben. Bin ich als Schülerin durch die Schule immer wieder zum Kölner Dom verfrachtet worden und hasste das sehr, so musste ich dennoch nicht in Köln lebend einmal im Jahr den Kölner Dom mit eigenen Händen anfassen, um zu wissen, dass er noch da ist. Jetzt wieder in Köln lebend besuche ich ihn nicht mehr.

Heimat ist für mich der „Zwist“ zwischen „Lövenich-Süd“ (Weiden) und „Weiden-Nord“ (Lövenich). Habe ich meine Kindheit in Weiden verbracht und hatte „Schwierigkeiten“ mit den Lövenichern. Als Erwachsene bin ich nach Lövenich gezogen und betrachte die „Weidener“ nun etwas „abschätzig“. Das kommt sicherlich vom Karneval her, denn wo die Lövenicher es auf bis zu sechs Karnevalsvereine gebracht haben, davon manchmal nur durch eine Straße getrennt, waren es bei den Weidenern nur zwei. Habe ich nicht in Köln gewohnt, war ich mit allen Karnevalist*innen in Köln durch die Ferne weg verbunden. Egal, wo diese wohnten.

Dabei fällt mir gerade auf, jetzt in Widdersdorf lebend, dass es hier keine Tankstelle gibt, aber dafür eine Bank. Ganz im Gegensatz zu Lövenich, wo es eine Tankstelle, aber keine Bank gibt. Die Lövenicher sind schon gebeutelt, denn Weiden hat gleich zwei Banken und zwei Tankstellen. Dieses Pack! 😉 Aber meine Hausbank in Weiden hat nun zugemacht und die nächste Filiale ist in Frechen. Das ist noch viel schlimmer!

Heimat ist wohl der Ort, den eins am meisten liebt und hasst, aber von welchem eins nicht wegkommt oder zumindest schnell wieder hin will. Eine tiefe Sehnsucht nach einem völlig abgedrehten Menschenschlag, welche man vielleicht gar nicht mal leiden mag. So was wie Hassliebe.

Wenn ich in Weiden bin, dann sehe ich meinen alten Schulweg zur Grundschule. Mein Elternhaus – kürzlich von meiner Mutter mit Zustimmung des Kinderrats verkauft. Ich blicke auf Fassaden, die ich als Auszubildende im Maler- und Lackier*innen-Handwerk selbst angestrichen habe. Die Orte, wo ich als junges Mädchen zum ersten Mal geknutscht habe. Oder die Kneipe, in der ich mehr oder weniger regelmäßig war, um mich abschleppen zu lassen.

Verstehen Sie mich?

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