Schatten und Licht #ProjektDings

Wenn eins Reden und Vorträge hält, hat man dann doch ein wenig Verantwortung für das was man sagt und wie es beim Publikum ankommen soll. Der amerikanische Comedian Dave Chappelle, den ich sehr liebe, sagte neulich, dass wenn eine Sache mich nicht betrifft, ich mich auch über sie lustig machen kann. Und aufgrund dieser Tatsache ist er in einigen Communities deutlich angeeckt. So zum Beispiel in meiner eigenen. Der Trans* Community.

Und tatsächlich glaube ich, dass wenn eine Gruppe selbst von etwas betroffen ist, nur diese auch berechtigt ist sich über sich selbst lustig zu machen und das natürlich auch öffentlich. Dave Chappelle darf also als PoC sehr häufig das N-Wort benutzen, um auf Rassismus hinzuweisen, wogegen ich als nicht betroffene von Rassismus nur vom N-Wort reden darf. Ich finde das sehr logisch und respektiere das. Die Frage ist also, ob ich andersrum nicht den gleichen Respekt verdiene. Und die Antwort ist einfach: Ja.

Wenn also Dave Chappelle nicht selbst Teil meiner Community ist, so darf er sich nicht über meine Community lustig machen. Das gilt nicht nur für ihn, sondern auch für alle anderen, die nicht selbst Teil meiner Community sind.

Dave Chappelle ist in meinen Augen jedoch alles andere als transphob. Er hält grundsätzlich jeder Gruppe an Menschen einen Spiegel vor und gibt so den Hofnarren. Als Comedian hat er die Möglichkeit alles zu benennen. Und er darf jeden angreifen. Vor diesem Hintergrund also auch die Trans* Community. Wenn ich mir seine Programme so anschaue, und vor allem auch diesen einen Auftritt auf Netflix, dann schlucke ich natürlich ab und an mal, weil ich seine Witze ziemlich drüber finde.

In der Summe lache ich jedoch sehr viel. Und das ist mir wichtiger. Fast jede Bevölkerungsgruppe bekommt ihr Fett weg und somit gibt es auch viele andere Besucher*Innen seiner Veranstaltungen, die ab und an mal schlucken. Und wenn andere Bevölkerungsgruppen ihr Fett wegbekommen und ich nicht Teil dieser Bevölkerungsgruppe bin, dann lache ich. Wieso sollte ich mich dann über ihn aufregen, wenn ich durch mein Lachen über andere Bevölkerungsgruppen deutlich mache, dass ich nicht viel anders bin, als diejenigen, die über meine Bevölkerungsgruppe lachen. Ist das nicht auch diese Gleichheit, die wir alle wollen und für die wir immer gekämpft haben? Ist meine Bevölkerungsgruppe so viel wertvoller, dass sie sich über eine andere erheben kann? Wäre das nicht irgendwie rassistisch?

Natürlich kommt es immer auf den Kontext an. Wenn ich also durch Dave Chappelle in einem Programm von Dave Chappelle als Teil meiner Bevölkerungsgruppe auf den Arm genommen werde, ist das etwas völlig anderes zum realen Leben draußen auf der Straße. Alle künstlerischen Auftritte sollen uns ein wenig von diesem Alltag ablenken und wir selbst sind dafür verantwortlich welche Programme wir uns anschauen. Wenn ich mit Dave Chappelle nicht einverstanden wäre, dann sollte ich halt seinen Auftritt nicht verfolgen und auch noch Geld dafür ausgeben, wenn ich der Meinung bin, Dave Chappelle ist nicht mein Comedian?

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