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Trans*Aktiv – Möglichkeiten und Grenzen einer Trans*Politik in Deutschland

Last updated on 11. Oktober 2020

Quelle: https://www.waldschloesschen.org/de/veranstaltungsdetails.html?va_nr=200


Ich habe dann mal den angefangenen Beitrag in den Orkus geschoben und beginne mit dem Bericht, so lange er noch frisch ist 😉


Das Organsationsteam von Trans-Inter-Aktiv in Mitteldeutschland e.V. (TIAM) und die Akademie Waldschlösschen laden in Kooperation mit dem Bundesverband Trans* e.V. (BVT*) alle Menschen ein, die an einer bundesweiten Tagung zu trans*politischen Themen interessiert sind und gemeinsam mit anderen Aktivist*innen zukünftige Strategien und Ziele mitgestalten möchten.

Die Tagung für trans* Menschen soll politisches und soziales Engagement fördern und unterstützen. Hierzu werden verschiedene Möglichkeiten politischen Engagements – z.B. Lobbyarbeit, Zusammenarbeit, Kinder- und Jugendpolitik – vorgestellt und diskutiert. Die Veranstaltung soll dazu beitragen, Trans*Aktive miteinander in Kontakt zu bringen, um Antidiskriminierungsstrategien zu entwickeln und um gemeinsam und abgestimmt auf mögliche Bündnispartner*innen zuzugehen. Der Fokus des Wochenendes kann auf die trans*politische Arbeit auf Landes- und Bundesebene ausgerichtet sein. Ziel des Wochenendes ist es, aktuelle politische Handlungsbedarfe auszuloten, um konkrete Strategien und Aufgaben für zu entwickeln. Eine Mitgliedschaft in einer Organisation der Transcommunity ist zur Teilnahme an dem Wochenende nicht nötig, jedoch ist die Akzeptanz von geschlechtlicher Selbstbestimmung und Vielfalt als Grundlage und Leitlinie eine wesentliche Voraussetzung.


Leute, die Welt ist bunt. Das Waldschlösschen ist wirklich schön. Wenn man sich einfach mal wegdenkt, dass es dort Null Handyempfang gibt. Das Hygienekonzept ist ausgezeichnet und wurde von allen Teilnehmer*Innen respektiert und angewendet. Wenn das mal im üblichen Leben so einfach und selbstverständlich wäre. *seufz*

Insgesamt so 40 Menschen trafen sich und wie mir gesagt wurde, waren diesmal aus jedem Bundesland ein Mensch anwesend. An dieser Stelle der Hinweis, dass es eine „NoPhotoPolicy“ gab, weswegen ich auch keine hier einstelle. Das ist nicht mal böser Wille, aber die DSGVO ist da ziemlich eindeutig und ich finde es schön, dass es niemanden gab, der da einfach mal so drüberbügelt und es dann doch macht. Anständige Menschen, die in angenehmer Sprache sprechen, so dass es für niemanden groß schwierig war an den diversen Angeboten teilzunehmen. Niemand, außer mir, hatte daran gedacht, dass es doch schön wäre, das Wochenende begleitend digital im Netz darzustellen. Aber ich denke, dies ist nun auf der Agenda 😉

Das mag sich für manche so lesen, als würden hier keine hitzigen Gespräche stattfinden. Doch, die gab es schon, aber sehr sachlich und eben nicht persönlich. Und wenn es mal persönlich wurde, dann reichten wenige Zeichen und der „Angreifer“ wusste sofort, was Sache war und nahm sich zurück. Trans*- und Intermenschen sind es leider gewohnt im beruflichen und/oder familiären Umfeld mit Menschen umzugehen, die nicht wissen oder akzeptieren wollen, wo eine Grenze überschritten wird. Daher war es sehr angenehme Veranstaltung, weil jeder auf den anderen achtete.

Auf der anderen Seite hat mich in der einzigen Kritik ein wenig gewurmt, dass hier Basisdemokratie herrschte und keine Mehrheitsmeinung. Änderungen am Plan musste einstimmig im Plenum verabschiedet werden. Am Ende habe ich aber auch verstanden, warum dies hier so ist. Wenn in einer Gruppe nur die Lauten bestimmen, die viel aktiver mitmachen, als die anderen Zuhörer*Innen, dann gehen die leisen Stimmen unter. Und das kann nicht das Ziel sein. Wenn also die leisen Stimmen gehört und beachtet werden, dann haben am Ende auch die lauten Stimmen was davon. Und damit alle Aktiven, die an ihren Orten für Trans*- und Intersexuelle da sind, sie beraten, vertreten, kennen und lieben.

Es waren nicht nur Menschen vor Ort, die selbst trans* oder inter sind. Wir haben auch Alliierte bei den Cis-Menschen. Da diese zB selbst Eltern von trans*- oder intersexuellen Kindern sind.


Die Themen waren reichhaltig und ich konnte leider nicht an allen Workshops teilnehmen, weil ich ja selbst, zusammen mit Caspar von Trans*Sexworks, selbst für den BesD e.V. einen gehalten habe. -> Präsentation „Sexarbeit und Trans“ <-

Natürlich stieg am Ende die Technik aus und wir konnten die Präse nicht zeigen. Deswegen veröffentliche ich das mal hier 😉 Dazu werde ich sicher mal ein YouTube-Video machen, voll die Bildung eben 🙂


Da dies meine erste, aber sicherlich nicht die letzte, Teilnahme war, haben mich jedoch viel mehr die Menschen und ihre Geschichten interessiert. Dieses „Wie war das denn so bei Dir mit dem ComingOut?“ oder „Wie, Du bist eine Sexarbeiterin?“ oder aber auch „Wie kommst Du im realen Leben klar?“ und „Welchen Sex hast Du nun?“. Vereint hat uns alle, dass wir zwar eine relative Minderheit in der Gesellschaft, aber dennoch Teil der Gesellschaft sind. Wir gehen arbeiten, zahlen Steuern, hüten unsere Brut. Alltag eben. Völlig normale Sachen, wie eben die Cis-Menschen auch. Unser gemeinsames Anliegen ist klar zu stellen, dass wir niemandem Rechte streitig machen wollen, sondern einfach nur Rechte (und Pflichten!) für uns benötigen.

Mit dem Ergänzungsausweis der dgti e.V. haben Trans*- und Intermenschen eine Möglichkeit in der Identität zu leben, in welcher sich wirklich wohl und normal fühlen. Einige Menschen sagen zu uns, dass wir nicht normal seien. Und nicht nur meine Antwort darauf lautet: „Ja, ich bin nicht normal, aber ich bin auf dem Weg dorthin“. Dieser Ergänzungsausweis gibt mir die Möglichkeit meine äußere Männlichkeit abzulegen. Ich habe zwar immer noch einen männlichen Personalausweis, aber der Ergänzungsausweis, der nur in Verbindung mit dem Personalausweis gilt, bewahrt mich davor (und zwar bundesweit bei allen Bundes-, Landes- und kommunalen Behörden per Erlass des Bundesinnenministeriums), dass ich mich bei einer allgemeinen Personenkontrolle zwangsweise demaskieren muss.

Da ich diesen Beitrag auch nach „LinkedIn“ stelle – wussten Sie, dass es rechtlich absolut verbindlich ist, wenn ich zB einen Arbeitsvertrag mit Sarah Blume unterzeichne? Natürlich bin ich in amtlichen Dokumenten (noch) mit meiner männlichen Existenz ausgestattet. Rentenversicherung, gesetzliche Krankenversicherung, Eintrag im Personenstandsregister. Und ich finde das auch gar nicht mal so böse vom System. Denn Geschlechterwechsel soll und darf nicht beliebig sein. So steht in den Personalunterlagen eben nun, dass mein Name Sarah Jessica Blume ist und in einem anderen Feld steht, dass für amtliche Dinge der männliche Name zu nutzen ist. Den kennt nur die Personalabteilung und ein wenig vertrauen sollte man denen schon 😉

Und dennoch würde ich mir wünschen, dass aus dem Erlass (zwingend für Behörden, aber freiwillig für die Privatwirtschaft) eine Verordnung würde. Weil dann würde das auch auf die Privatwirtschaft ausgeweitet. Und wir Trans*- und Intermenschen hätten ein ziemlich großes Stück Recht mehr, was den Cis-Menschen nicht schadet. An dieser Stelle jedoch der Hinweis, dass sowohl die Bayer BBS, Hermann Personal GmbH und die Amadeus Fire AG bisher keinerlei Probleme mit meine weiblichen Existenz hatten/haben. Bei Herrmann wurde ich in die BBS verliehen und hatte hier mein berufliches ComingOut Ende 2019/Anfang 2020. Und die Amadeus Fire (neuer Arbeitgeber seit dem 12.10.2020) hat nicht mal mit den Schultern gezuckt. Leider verläuft das nicht für jeden Trans*- oder Intermenschen so. Eine Verordnung würde jeden Betrieb verpflichten uns so anzunehmen, wie wir uns wohl und sicher fühlen.

Wussten Sie, dass mit der Ehe für alle die Cis-Menschen immer noch heiraten dürfen? Die LGBTQIA+-Community hat dadurch nur ein Recht mehr bekommen, aber niemandem was weggenommen. Eigentlich ganz einfach.


Dennoch bleibt es immer bittere Erkenntnis, dass amtliche Regelungen das eine sind. Die persönliche Akzeptanz von Trans*- und Intermenschen ist eine ganz andere Baustelle. Und ich habe hier Blut geleckt und möchte mich jetzt nach meinem totalen ComingOut intensiv für die Rechte von Trans*- und Intermenschen einsetzen. So habe ich mich nach der Kommunalwahl in Köln als „Sachkundige Einwohnerin“ in den Ausschuss „Gesundheit und Inklusion“ beworben, ebenso sitze ich für den BesD e.V am „Runden Tisch Prostitution Köln“ und „quäle“ mich gerade durch die Niederungen der Partei „Die Linke“ um für diesen ganzen Zauber bestens vernetzt und vertreten zu sein. Und wer weiß, vielleicht lächelt mich mein Gesicht mal auf einem Wahlplakat an?

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